2003-2012: Reformen auf sämtlichen Ebenen

Michel Rast ist seit 1984 Informatikprofessor an der Schule, 2003 wird er im Alter von 49 Jahren der Nachfolger von François Hemmer.

Hochschule für Technik und Architektur (EIF) in Freiburg. Hier sind Jacques Crausaz, Dekan der Abteilung Elektrizität, und Michel Rast, verantwortlich für die IT-Reform des EIF. Foto Lib./Alain Wicht, Fribourg; 06.05.2000.

Michel Rast tritt 2003 die Nachfolge von François Hemmer als Leiter der Ingenieurschule an. Nach der Gründung der HES-SO im Jahr 1998 fasst die Hochschule Freiburg für Technik und Wirtschaft (HFTW) die Hochschule für Technik und Architektur Freiburg und die Hochschule für Wirtschaft zusammen. Die beiden Hochschulen veröffentlichen zum ersten Mal einen gemeinsamen Jahresbericht für die Jahre 2002-2003.

Jacques-Etienne Berset wurde soeben zum Direktor der Hochschule Freiburg für Technik und Wirtschaft (HFTW) ernannt. Er fasst die tiefgreifenden und kontinuierlichen Änderungen zusammen, die in diesen Jahren an den Hochschulen vollzogen werden und die Zeit von Michel Rast als Direktor der Schule prägen werden.

«Seit ungefähr zehn Jahren ist die tertiäre Bildung von tiefgreifenden Umwälzungen betroffen. Universitäten, ETH oder, was uns besonders betrifft, Fachhochschulen stehen im Mittelpunkt wichtiger Entscheidungen, die in der Schweiz – oder in der EU, jedoch mit schnellen Auswirkungen in der Schweiz – gefällt werden. Die folgenden Fragen werden an allen FH gewälzt: der Bolognaprozess, der europaweit, folglich auch in der Schweiz, auf die Harmonisierung der Studiengänge auf universitärer Stufe gemäss angelsächsischem Modell, Bachelor, Master, PhD, hinzielt; die Zusammenarbeit, wenn nicht die Zusammenlegung der Hochschulen, in der Hoffnung, in einer Zeit der Finanzknappheit, einerseits die Kosten zu senken und andererseits die Effizienz der Forschung zu steigern. Dies mit der Konzentration der Kräfte auf Bereiche, die sich für die Zukunft unserer Gesellschaft vorrangigen Themen widmen: die Beziehungen Wirtschaft/Bildung, die sich im Hintergrund von Abhängigkeit/Unabhängigkeit, Lehre und Forschung, Teil- oder Totalprivatisierung der tertiären Bildung abspielen, um nur die wichtigsten zu nennen.»[1]

Jahresbericht 2002-2003

Der Grundstein ist gelegt. Zu Beginn der 2000er-Jahre findet eine echte Zeitenwende und eine Veränderung der Rahmenbedingungen in der Hochschullandschaft statt. Michel Rast mausert sich an der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg zum Chefdirigenten dieses Wandels.

Nach der Gründung der HES-SO im Jahr 1998 leitete der Bund ein Zertifizierungsverfahren der Studiengänge der Mitgliedschulen ein. 2003 sind etliche Studiengänge gefährdet, unter anderem auch in Freiburg. «Es war eine schwierige Zeit. Der Bund wollte sämtliche Studiengänge zertifizieren und hatte Kriterien für deren Weiterführung festgelegt. In Freiburg waren die Studiengänge Telekommunikation und Bauingenieurwesen aufgrund der Zahl der Studierenden gefährdet und einige Professoren fürchteten um ihre Arbeitsplätze. Die Direktoren der Schulen der HES-SO kannten und schätzten sich, standen jedoch dennoch in Rivalität zueinander. Und es war wahrscheinlich der falsche Ansatz seitens des Bundes», erklärte uns Michel Rast in einem Gespräch, das wir im Mai mit ihm geführt haben. Dies bestätigte uns auch Claude Rohrbasser in seinem Interview über die Chemie. «Als 2003 die HES-SO gegründet wurde, drohte der Chemieabteilung fast dreissig Jahre nach ihrer Gründung die Schliessung. Aus politischen Gründen wurde entschieden, dass in der Westschweiz eine Chemieabteilung geschlossen werden musste.»

Michel Rast stellt im Jahresbericht 2002-2003 fest, dass «mit dem Jahreswechsel eine Übergangs- und Reorganisationsphase der Schule für Technik und Architektur zu Ende gegangen ist und für 2004 grössere Projekte anstehen.»[2] Die Schule hat ihre Abteilungen neu organisiert: «Um ihre Organisation an diejenige der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) anzupassen, gliedert sich die Schule für Technik und Architektur Freiburg neu in vier Abteilungen. In der Abteilung Informations- und Kommunikationstechnologien wird der Studiengang Informatik und Telekommunikation zusammengefasst. Sie wird von Antoine Delley geleitet. Die von André Oribasi geleitete Abteilung Bauwesen vereint die Studiengänge Bauingenieurwesen und Architektur sowie die Bautechnische Schule. Die Abteilung Industrietechnologien, die von Claude Rohrbasser geleitet wird, ist für die Studiengänge Chemie, Elektrotechnik und Maschinentechnik zuständig. Die Abteilung der Grundlagenfächer wird von Frédy Bienz geleitet und umfasst die Fächer Kommunikation, Sprachen, Physik und Mathematik. Diese Umstrukturierung wird es ermöglichen, die bestehenden Synergien zwischen den verschiedenen Studiengängen der Schule zu verbessern.»[3]

Die grosse Baustelle Bologna

Als ob die Anforderungen des Bundes an die HES-SO nicht schon genug wären, wird in Europa auch noch der Bologna-Prozess eingeleitet. Im Jahresbericht 2003-2004 titelt Jacques-Etienne Berset nicht ohne einen gewissen Humor: «Bologna, Bologna, überall höre ich deinen Namen.»[4] Ein Jahr später schreibt Michel Rast im Jahresbericht:

«Bologna, Fortsetzung und …

Bachelor: Komme, was da wolle …

Während in den Studiengängen der HES-SO im Bereich „Wirtschaft und Dienstleistung“ der grösste Teil der Zeit damit verbracht wurde, den detaillierten Bachelor-Studiengang im Hinblick auf seine Einführung zu Beginn des Studienjahres 2005-2006 fertigzustellen, hat man sich in den Studiengängen des Fachbereichs Ingenieurwesen in diesem Jahr intensiv mit der Bildungsreform im Zusammenhang mit der Einführung des Bologna-Modells befasst. Bei diesen von sämtlichen Verantwortlichen der verschiedenen Studiengänge an den verschiedenen Bildungsstandorten angestellten Überlegungen standen zwei Leitgedanken im Zentrum, ein pädagogischer und ein organisatorischer: die Entwicklung von Kompetenzprofilen und Bildungszielen einerseits und die Zusammenarbeit zwischen den Bildungsstandorten der HES-SO andererseits.

[…]

Master: hin zum eine FH-Modell

Nachdem die Organisation des Bachelor-Abschlusses auf einem guten Weg ist, ist es nun an der Zeit, sich der nächsten Stufe des Bologna-Modells zuzuwenden: dem Master-Abschluss.

In diesem Sinne haben die ersten Vorbereitungen für die Einführung des Master-Abschlusses begonnen.»

Michel Rast sagt heute dazu: «Auch in Bezug auf den Master-Abschluss stellte der Bund hohe Anforderungen, aber die Reflexion gestaltete sich konstruktiver als bei der Zertifizierung der Studiengänge.» Er analysiert: «Es war eine Zeit der grossen institutionellen Wende. Unmittelbar nach der Einweihung des Neubaus im Jahr 1995 wurden diese Prozesse in Gang gesetzt. Der Bologna-Prozess war für die Ingenieurschulen recht schwierig, da ihr Unterricht strukturierter und ihr Lehrplan umfangreicher ist als an der Universität. Bologna bedeutete eine Neudefinition des Lehrplans über ECTS-Punkte. Das war kompliziert, weil es nicht wirklich Teil der Kultur des Hauses war.»

Gründung der HES-SO Freiburg

Im Jahr 2005 wurde eine neue wichtige Entwicklung in der Freiburger Hochschullandschaft eingeleitet. «Die Zugehörigkeit des Kantons Freiburg zur Fachhochschule Westschweiz (HES-SO), der grössten der sieben staatlichen Fachhochschulen in der Schweiz mit rund 12’000 Studierenden zu Beginn des Wintersemesters 2005/2006, erfordert eine Neuorganisation aller Freiburger Schule auf FH-Ebene1. Betroffen sind:

  • die Hochschule für Technik und Architektur Freiburg (HTA-FR)
  • die Hochschule für Wirtschaft Freiburg (HSW-FR)
    die Hochschule für Gesundheit Freiburg (HfG-FR)
    die Hochschule Freiburg für soziale Arbeit (HEF-TS)
  • die Musikhochschule Freiburg (MHS-FR)

[…]

Der Gesetzesentwurf sieht vor, die HES-SO Freiburg mit einer Generaldirektion und einer gewissen Anzahl zentraler Dienste auszustatten, wie dies gegenwärtig auch bei der HFTW der Fall ist. Diese Struktur wird einen doppelten Auftrag haben: Gegen aussen hin muss sie alle Anforderungen und Aufgaben erfüllen, die sich aus der Zugehörigkeit der HES-SO Freiburg zur HES-SO ergeben, und gegen innen hin alle möglichen Synergien nutzbar machen, die der Zusammenschluss der fünf Schulen unter einem Dach und einem Gesetz mit sich bringt.»[5]

Die Schulen beschliessen noch vor der Verabschiedung des Gesetzes, ab Januar 2006 unter der Leitung von Jacques-Etienne Berset zusammenzuarbeiten. Die neue Struktur bedeutet das Ende der HFTW-FR.

2007-2012: Jahre der Konsolidierung

In der zweiten Hälfte seiner Zeit als Direktor konzentriert sich Michel Rast auf die Konsolidierung sämtlicher eingeleiteten Reformen und freut sich über den Erfolg seiner Schule.

«In diesem Jahr stellen wir im zehnten Jahr in Folge seit der Einführung der Fachhochschulen fest, dass die Attraktivität unserer Ingenieur- und Architekturstudiengänge in einer sehr erfreulichen Regelmässigkeit zunimmt, während die Zahl der Studierenden in den Fachbereichen Ingenieurwesen und Architektur in diesem Jahr innerhalb der Fachhochschule-SO zurückgegangen ist: 1999 zählte die Schule rund 400 Studierende in 8 FH-Studiengängen, heute sind es fast 600 Studierende in 7 FH-Studiengängen, zu denen noch rund fünfzig Studierende der Bautechnischen Schule hinzukommen.»[6]

Im Jahr 2008 darf er sich freuen: «Die ersten Masterstudiengänge starten innerhalb der Fachhochschulen, die den Absolventinnen und Absolventen dieser Schulen offenstehen, und zwar ohne das Purgatorium einiger Semester und ohne gegen administrative Windmühlen kämpfen zu müssen…»[7]

Unter der Leitung von Michel Rast machen auch weitere Bereiche grosse Fortschritte: die Forschung, auf die wir im nächsten Kapitel zurückkommen werden, die Zweisprachigkeit und die Infrastruktur. Diese Erfolge werden beim Ausscheiden des Direktors gut zusammengefasst:

«Damit das zahlenmässige Wachstum (40 % mehr Studierende) nicht auf Kosten der Qualität geht, investiert die HTA laufend in die Qualitätsentwicklung sowie in die Erneuerung und Erweiterung der Infrastruktur. In der Ära Rast hat die Schule in Sachen Zweisprachigkeit an Glaubwürdigkeit gewonnen. Heute bieten alle Studiengänge ein zweisprachiges Diplom an. Dies erleichtert den deutschsprachigen Studierenden den Einstieg ins Studium und ermöglicht den französischsprachigen den Zugang zur deutschen Sprache und Kultur.

Dank seiner beispielhaften Integrität, seinem scharfen Intellekt und seinen menschlichen Qualitäten als Führungsperson hat sich die HTA unter der Führung von Michel Rast innerhalb der HES-SO und darüber hinaus in der Schweizer FH-Landschaft sicher etabliert.»[8]


[1] Bericht HFTW 2002-2003, S. 5

[2] Bericht HFTW 2002-2003, S. 23

[3] Bericht HFTW 2002-2003, S. 9

[4] Bericht HFTW 2003-2004, S. 8

[5] Bericht HFTW 2004-2005, S. 6

[6] Jahresbericht HTA-FR, 2008

[7] Jahresbericht HTA-FR, 2009

[8] Jahresbericht HTA-FR, 2012